Reihenfolge für eine unvertraute Technologie
Eine Modulreihe zu einem Thema ohne Alltagserfahrung: erst was der Stoff ist und wo seine Grenzen liegen, dann wo er vorkommt, zuletzt die Technik dahinter.
INSTRUCTIONAL DESIGN · DIDAKTISCHE REDUKTION · SICHERHEITSINHALTE · TECHNISCHE KOMMUNIKATION · WISSENSVERMITTLUNG
ABBILDUNGEN
Diese Arbeit ist bei meinem Arbeitgeber entstanden; die Nutzungsrechte liegen dort (§ 43 UrhG). Deshalb zeigt diese Seite keine Originaldateien und keine Screenshots. Was hier steht, ist die Struktur der Arbeit – anonymisiert, und die Zeichnungen dafür neu angefertigt.
Ausgangslage
Manche Themen sind in aller Munde, ohne dass jemand eine Anschauung davon hätte. Anders als bei Maschinentechnik gibt es keine Werkstatterfahrung, an die eine Schulung anknüpfen könnte. Aus Rücksicht auf den Arbeitgeber bleibt das Projekt hier ohne Namen, ohne Fachgebiet und ohne Verlinkung.
Problem
Bei einer neuen Technologie ist die Versuchung groß, mit der Technologie anzufangen – mit dem Verfahren, der Anlage, dem Wirkungsgrad. Das erzeugt Zahlen ohne Bezug. Wer den Stoff und seine Grenzen noch vor sich hat, kann mit einem Wirkungsgrad wenig anfangen und mit einer Sicherheitsregel noch weniger.
Ziel
Eine Reihenfolge, die vom Stoff her aufbaut statt von der Anlage – und die Sicherheit dorthin setzt, wo sie noch nicht abstrakt ist.
Zielgruppe und Nutzungskontext
Technisches Personal ohne Vorerfahrung mit dem Stoff, im Selbststudium, Modul für Modul.
Konzept
Die Module stehen in fester Folge, und die Folge ist die eigentliche Arbeit. Zuerst Entstehung und Eigenschaften: was der Stoff ist, bevor irgendetwas mit ihm gemacht wird. Direkt danach seine Reaktionsgrenzen, also die Bedingungen, unter denen er gefährlich wird. Der Sicherheitsteil steht damit früh, weil er sich aus den Eigenschaften ergibt und dort nachvollziehbar bleibt.
Erst dann die Anwendungen, und zwar in zwei Schritten: das private Umfeld vor dem gewerblichen. Das Vertraute trägt das Unvertraute – wer den Stoff im eigenen Alltag verortet hat, liest den industriellen Einsatz anders.
Ganz zuletzt das Verfahren, mit dem der Stoff überhaupt entsteht. Die Technik steht am Schluss, wenn es einen Grund gibt, sich für sie zu interessieren.
Prozess
Der Zuschnitt entstand von der Frage her, was jemand wissen muss, um das jeweils nächste Modul zu verstehen. Die Umkehrung der naheliegenden Ordnung – Technik zuletzt statt zuerst – ist die Entscheidung, an der die Reihe hängt.
Ergebnis
Eine Modulreihe, die in einem Zug gelesen werden kann und in der jedes Modul das folgende trägt.
Learnings
Bei einer Technologie ohne Alltagserfahrung entscheidet die Reihenfolge mehr als der Inhalt: Eigenschaften vor Grenzen, Grenzen vor Anwendung, Anwendung vor Technik – umgekehrt gelesen ergibt derselbe Stoff eine Sammlung von Zahlen. Sicherheit gehört an die Stelle, an der sie aus dem Stoff folgt. Früh ist sie eine Konsequenz; am Ende wäre sie eine Vorschrift.